Unter dem Begriff Freikirchen werden verschiedene evangelische Kirchen und Gemeindebünde zusammengefasst, die aus dem sogenannten linken Flügel der Reformation oder aus späteren Erneuerungsbewegungen hervorgegangen sind. Charakteristisch ist ihr Selbstverständnis als vom Staat unabhängige Kirchen und Gemeinden. In der Regel setzt die Mitgliedschaft ein persönliches Bekenntnis zu Jesus Christus voraus; deshalb praktizieren viele Freikirchen die Taufe von Menschen, die ihren Glauben bewusst bekennen, und nicht die Säuglingstaufe. Alleinige Grundlage ihres Glaubens ist die Heilige Schrift, an der sie sich in ihrem Leben wie auch in ihrer Struktur orientieren wollen.
Ein wesentliches Merkmal vieler Freikirchen ist die Bedeutung der Ortsgemeinde. Sie wird vielfach als eigenständige und volle Verwirklichung der Kirche Christi verstanden und regelt ihre Angelegenheiten weitgehend selbstständig. Dieses kirchliche Leitungsprinzip wird als Kongregationalismus bezeichnet. Neben weitegehend unabhängigen Gemeinden gibt es auch freikirchliche Gemeindebünde und Kirchen mit übergeordneten Strukturen, die teilweise international organisiert sind und sich als Teil einer weltweiten kirchlichen Gemeinschaft verstehen.
Ökumenischer Dialog mit Freikirchen
Der Dialog mit Freikirchen ist ein wichtiger Bestandteil der ökumenischen Arbeit des Möhler-Instituts für Ökumenik. Neben den Kontakten zu freikirchlichen Kirchen und Gemeinden im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) auf nationaler und regionaler Ebene pflegt das Möhler-Institut einen regelmäßigen wissenschaftlich-theologischen Austausch mit freikirchlichen Partnern.
Seit 2002 veranstaltet das Möhler-Institut im zweijährigen Rhythmus gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der 1926 gegründeten Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) ein wissenschaftliches Symposion. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Fragen des theologischen Dialogs zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Freikirchen. Die gemeinsamen Gespräche und wissenschaftlichen Beiträge dienen dazu, unterschiedliche theologische Positionen besser zu verstehen, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und bestehende Missverständnisse abzubauen.
Die Ergebnisse der Symposien werden wissenschaftlich publiziert und machen die Themen und Fragestellungen des Dialogs einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Darüber hinaus bestehen Kooperationsvereinbarungen des Möhler-Instituts mit verschiedenen freikirchlichen Ausbildungsstätten. Auf diese Weise leistet das Institut einen kontinuierlichen Beitrag zur ökumenischen Verständigung und zur Vertiefung der Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den Freikirchen.