Ökumenische Akzente beim Katholikentag in Würzburg

Zusammen mit dem Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim hat das Möhler-Institut beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg zwei Veranstaltungen organisiert, die aktuelle Debatten in der Ökumene aufgriffen und diese einem breiteren Publikum nahebrachten.

„Ein Papst für alle! Der Bischof von Rom als Sprecher der Christenheit?“ Unter diesem provozierenden Titel stand das Podium, das am Freitagnachmittag auf das Interesse von mehr als 400 Katholikentagsteilnehmerinnen und -teilnehmern stieß. Anlass war das 2024 erschienene Dokument des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen „Der Bischof von Rom“. Es fasst die Antworten auf die Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint“ von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1995 mit seiner Einladung zu einer ökumenischen Diskussion über das Papstamt zusammen. Der Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige führte als Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz in das Dokument ein und verwies auch auf die darin deutlich benannten innerkatholischen Hausaufgaben wie eine Relecture der Dogmen des Ersten Vatikanischen Konzils und die Suche nach einem richtigen Verhältnis zwischen Primat und Synodalität.

In der anschließenden Diskussion, die von Pfarrer Dr. Mario Fischer, dem neuen Leiter des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, moderiert wurde, kamen die Positionen der anderen christlichen Kirchen zur Sprache. Der anglikanische Priester Christopher Easthill und derzeitige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland wies etwa darauf hin, dass ein solcher Sprecher für alle Kirchen grundsätzlich auch von allen angenommen und legitimiert sein müsse. Die orthodoxe Theologin Dr. Yauheniya Danilovich erklärte, dass es zwar nach orthodoxer Auffassung einen Ersten geben müsse, dass aber die Frage nach seinen Rechten und Grenzen die zentrale strittige Frage im Dialog mit der katholischen Kirche bleibe, vor allem im Blick auf die Dogmen des Ersten Vatikanischen Konzils, wobei sie auch auf die innerorthodoxen Spannungen in dieser Frage hinwies. Die freikirchliche Position stellte Prof. Dr. Markus Iff vor. Für Freikirchen sei die Einheit des Evangeliums zentral und kein spezieller personaler Einheitsdienst, weshalb man ein solches Amt auch nicht vermisse. Allerdings seien die Freikirchen bisher auch kaum beteiligt am Dialog der katholischen Kirche über das Papstamt. Dr. Maria Stettner, Referentin für Ökumene der Evangelischen Kirche in Deutschland sah aus evangelischer Sicht zwar durchaus pragmatische Gründe für eine menschliche Ordnungsinstanz, die aber nicht auf göttlichem Recht beruhe und je nach Charisma und Authentizität auch von anderen Personen als dem Bischof vom Rom wahrgenommen werden könnte. Dass aktuell Papst Leo XIV. weltweit als „Sprecher der Christenheit“ wahrgenommen wird und viel Zustimmung findet, war unbestritten, aber damit sind, wie in der anschließenden Diskussion über Fragen aus dem Publikum nochmals deutlich wurde, die theologischen Fragen sowohl innerhalb der katholischen Kirche wie auch im Dialog zwischen den Kirchen noch lange nicht gelöst.

Auf großes Interesse stieß auch die zweite Veranstaltung, die von Dr. Kai Funkschmidt (Bensheim) und Dr. Johannes Oeldemann (Paderborn) moderiert wurde: eine Werkstatt zum Thema ökumenische Immobiliennutzung unter der Überschrift „Lasst die Kirche im Dorf!“ Hier stellte Markus Offner vom Bistum Aachen den von den katholischen Diözesen und den evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen erstellten Praxisleitfaden „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ vor, Pfarrer Dr. Harald Fritsch berichtete von den Erfahrungen im Zusammenleben unter einem Dach im Ökumenischen Zentrum Würzburg-Lengfeld und Pfarrerin Dr. Maria Stettner erzählte, wie die Nutzung evangelischer Kirchen in München durch anglikanische Christen in einem langen Prozess zur Vereinbarung einer Kirchengemeinschaft zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der anglikanischen Episkopalkirche geführt hat. Die 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Werkstatt tauschten sich in drei Gesprächskreisen intensiv über die drei vorgestellten Projekte aus und brachten dabei auch ihre eigenen Erfahrungen ein.

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