Die Geschichte des Möhler-Instituts

Das Möhler-Institut für Ökumenik wurde am 19. Januar 1957 – fünf Jahre vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils – vom damaligen Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger (1892 – 1975) gegründet. Das Institut trug zunächst den Namen „Institut für Konfessions- und Diasporakunde“ und sollte Jaeger bei seiner Arbeit für den Dialog zunächst mit den Reformierten Kirchen wissenschaftlich zuarbeiten.

Jaegers besonderes Interesse an der Ökumene hatte biografische und regionale Wurzeln. Geboren 1892, wuchs er als Kind einer konfessionsverschiedenen Ehe in einem mehrheitlich protestantischen Umfeld auf. Zugleich hatten Paderborner Theologen wie Adolf Herte (1887 – 1970), Josef Höfer (1896 – 1976) und Paul Simon (1882 – 1946) einen wichtigen Einfluss auf Jaegers späteres Engagement, indem sie bereits wichtige Vorarbeiten für eine Annäherung zwischen den getrennten Kirchen geleistet. Nicht zuletzt war Jaeger seit 1943 innerhalb der Bischofskonferenz für das Referat für die Wiedervereinigung im Glauben (mit) zuständig.

Jaeger-Stählin-Kreis

Bereits 1946 – fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Paderborn – begründete Lorenz Jaeger gemeinsam mit dem evangelischen Landesbischof Wilhelm Stählin einen interkonfessionellen Arbeitskreis. Der später als Jaeger-Stählin-Kreis bekannte Zusammenschluss wurde zu einem wichtigen Forum des evangelisch-katholischen Gesprächs. Aus ihm ging der heutige Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) hervor, der bis heute einen bedeutenden Beitrag zum ökumenischen Dialog leistet. Das 1957 gegründete Möhler-Institut unterstützte ihn vor allem wissenschaftlich bei seiner Arbeit.

Johann Adam Möhler Der Namensgeber des Instituts

Benannt wurde das Institut nach dem Tübinger Theologen Johann Adam Möhler (1796 – 1838), der als Mitbegründer der „Katholischen Tübinger Schule“ als wichtiger Erneuerer der katholischen Theologie im 19. Jahrhundert gilt. Er begründete mit seinen beiden Werken über die „Einheit in der Kirche“ (1825) und zur „Symbolik“ (1832) katholischerseits die wissenschaftliche Erforschung der Lehrunterschiede zwischen den Konfessionen. Er mied die damals übliche Polemik ebenso wie eine die Unterschiede nivellierende Irenik und bezog sich bei der Darstellung der Lehre der Reformations­kirchen auf deren offizielle Bekenntnisschriften. Möhler trug so zur Überwindung der kontrovers­theo­logischen Polemik bei und gilt darum als Vorläufer und Wegbereiter heutiger ökumenischer Theologie.

 

Die Tübinger Schule

Die Tübinger Schule bezeichnet eine im 19. Jahrhundert an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen entstandene theologische Bewegung, die Glaube, Geschichte und kirchliche Tradition miteinander zu verbinden suchte. Sie verstand Theologie als eine wissenschaftliche Disziplin, die den christlichen Glauben in seiner geschichtlichen Entwicklung untersucht und zugleich nach seiner inneren Einheit fragt. Zu ihren bedeutendsten Vertretern zählt Johann Adam Möhler (1796–1838), der ab 1826 in Tübingen lehrte. Neben Möhler zählen unter anderem Johann Sebastian Drey, Johann Evangelist Kuhn und Franz Anton Staudenmaier zur Tübinger Schule. Ihre theologischen Impulse wirkten weit über das 19. Jahrhundert hinaus und beeinflussten insbesondere die Entwicklung der katholischen Theologie und der ökumenischen Bewegung. An diese Tradition knüpft auch das Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn an.

Das Zweite Vatikanische Konzil und das Ökumenismusdekret Unitatis redintegratio

Nachdem Papst Johannes XXIII. 1958 die Einberufung des Konzils angekündigt hatte, initiierte Lorenz Jaeger 1960 in Zusammenarbeit mit Augustin Kardinal Bea SJ (1881 – 1968) die Gründung des vatikanischen Einheitssekretariates, an dessen Konzeption er entscheidend beteiligt war. Unterstützt von Eduard Stakemeier, dem ersten Leitenden Direktor des Möhler-Instituts, gehörte Jaeger zu den maßgeblichen katholischen Wegbereitern des Konzils und des dort grundgelegten katholischen Ökumenismus und kann als einer der Väter des Ökumenismusdekretes Unitatis redintegratio des Zweiten Vatikanischen Konzils gelten. Wegen seines Einsatzes für die Einheit der Kirche wurde er 1965 in den Kardinalsrang erhoben.

Die Entwicklungen seit Konzil bis Heute

1966 als Wendepunkt: Das Institut wird zum Möhler-Institut

Bald nach Abschluss des Konzils wurde das Institut 1966 in „Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik“ umbenannt. Die neue Bezeichnung brachte auch die inhaltliche Neuausrichtung zum Ausdruck: Aus einer zunächst vor allem konfessionskundlich ausgerichteten Einrichtung entwickelte sich zunehmend ein Institut, das wissenschaftliche Forschung und konkrete ökumenische Dialogarbeit miteinander verband. In den ersten Jahrzehnten nach dem Konzil widmete es sich vor allem dem evangelisch-katholischen Dialog. Vertreter des Instituts waren am internationalen lutherisch-katholischen Dialog sowie an den bilateralen Gesprächen zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) beteiligt.

 

Seit 2000: Öffnung des ökumenischen Spektrums

Seitdem hat das Möhler-Institut sein ökumenisches Arbeitsfeld kontinuierlich ausgebaut. So weitete sich ab dem Jahr 2000 das Aufgabenfeld des Instituts zunächst in zwei Richtungen: Zum einen zu den evangelischen Freikirchen. Ergebnis hiervon sind vor allem die seit 2002 regelmäßigen zweijährlich stattfindende theologischen Symposien mit Vertretern der Vereinigung Evangelischer Freikirchen.

Zum anderen wurden die Beziehungen zu den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen auf- und ausgebaut; u.a. durch die Gründung des Gemeinsamen orthodox-katholischen Arbeitskreises St. Irenäus im Jahr 2004. Seit 2013 betreut das Möhler-Institut zudem das Stipendienprogramm der Deutschen Bischofskonferenz für orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Theologinnen und Theologen.

Eine nochmalige Erweiterung des ökumenischen Spektrums erfolgte 2025 durch die Besetzung einer Direktorenstellen mit einem besonderen Fokus auf das Christentum charismatischer Prägung.

Das Institut heute - Träger und Organisation

Leitung und Trägerschaft

Das Möhler-Institut wird von einem Wissenschaftlichen Kollegium geleitet, dem mehrere Direktorinnen und Direktoren angehören. Der Leitende Direktor vertritt das Institut nach außen und ist ex officio Berater der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Das Möhler-Institut ist der Theologischen Fakultät Paderborn angegliedert, jedoch nicht Teil der Fakultät. Träger des Instituts ist das Erzbistum Paderborn. Der jeweilige Erzbischof von Paderborn ist Präsident des Möhler-Instituts.

 

Der Wissenschaftliche Beirat

Dem Wissenschaftlichen Beirat des Instituts gehören renommierte Theologinnen und Theologen unterschiedlicher Fachrichtungen an.

Bisherige Leitende Direktoren

Die bisherigen Leitenden Direktoren des Instituts waren:

© Möhler-Institut

Dr. Christian Stoll

Seit 2023

Dr. Johannes Oeldemann

2022 – 2023

Dr. Wolfgang Thönissen

1999 – 2022

Dr. Aloys Klein

1984 – 1999

Dr. Peter Bläser

1981 – 1984

Dr. Heinz Schütte

1980 – 1981

Dr. Paul-Werner Scheele

1971 – 1979

Dr. Eduard Stakemeier

1957 – 1970