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Ökumenische Kommentierung der 95 Ablassthesen Martin Luthers

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Gemeinsam mit dem Institut für ökumenische Forschung in Strasbourg engagiert sich das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn seit einigen Jahren für das internationale Projekt einer „Ökumenischen Kommentierung der 95 Ablassthesen Martin Luthers“. Dabei soll gerade auch mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 das historisch nie eingelöste Anliegen Martin Luthers einer (Wittenberger) Disputation seiner Ablassthesen realisiert werden. Die wissenschaftliche Kommentierung aus evangelischer und katholischer Sicht dient vor allem dazu, die (nach 1517 literarisch einsetzende Disputation zu rekonstruieren und dabei die) Argumente Luthers und seiner Gegner genau zu bestimmen und den Verlauf des Streits, Ansätze zu seiner Beilegung ebenso wie zu seiner Verschärfung nachzuverfolgen.

Grundlegend dafür ist ein Dokumentenband, der rund 70 Dokumente in der Originalsprache (Latein, Frühneuhochdeutsch) und in moderner deutscher Übersetzung umfasst und dabei die Ausgangslage Luthers Anfang des 16. Jahrhunderts umschreibt, dann den eigentlichen Ablassstreit mit seinen verschiedenen Phasen nachzeichnet und schließlich die weitere theologische Diskussion bis zum Konzil von Trient (1545-1563) und die diesbezügliche Resonanz bei Martin Chemnitz aufzeigt. Berücksichtigt werden deshalb kirchliche Verlautbarungen zum Ablasswesen im Mittelalter ebenso wie wesentliche Aspekte des mittelalterlichen Ablasswesens (kanonisches Recht, theologische Reflexionen, Predigten, Liturgie, Ablassbriefe). Ausgehend von der Ablassinitiative des Mainzer Kurfürst-Erzbischofs Albrecht von Brandenburg 1516/17 werden die Anfänge des Ablassstreits mit Luthers 95 Thesen, seinen frühen Äußerungen zum Ablasswesen und den frühen Antworten auf seine Ablasskritik (z.B. durch Johannes Tetzel, Johannes Eck) dokumentiert. Den weiteren Verlauf des Ablassstreits bis zum Abschluss des römischen Prozesses markieren zunächst Luthers Erläuterungen seiner Ablasskritik, dann seine weiteren Auseinandersetzungen (z.B. mit Silvester Prierias, Thomas Cajetan), ferner Universitätsgutachten aus Köln und Löwen sowie Luthers Antwort darauf und schließlich die (Bann-) Bullen Papst Leos X. Die anhaltenden Kontroversen um den Ablass nach der Verurteilung Luthers spiegeln sich in Stellungnahmen katholischer Theologen (z.B. Jacobus Latomus, Johannes Cochlaeus) und Stellungnahmen Luthers, hinzu kommen Rückblicke auf den Ablassstreit durch Martin Luther, Friedrich Myconius und Philipp Melanchthon. Mit dem Konzil von Trient, den dortigen theologischen Diskussionen und Regelungen sowie katholischen und lutherischen Reaktionen schließt der Dokumentenband, der mit seinen umfassenden Quellentexten für künftige Forschungen ein hilfreiches und gewinnbringendes Fundament bereitstellt.

Über einen Studienband hinaus, in dem circa 20 Beiträge spezifische Fragestellungen in den Blick nehmen, liegt der zweite Schwerpunkt des Projekts auf dem Kommentarband zu den 95 Thesen. In ihm zeigen die einzelnen Kommentatoren exemplarisch unterschiedliche Ansätze und Akzente der Interpretation auf, so dass im Kommentarband bei aller formalen Einheitlichkeit (und dadurch Vergleichbarkeit) vielfältige methodische Herangehensweisen, Perspektiven und Forschungsinteressen zusammentreffen. Die 95 Thesen sind in sechs Gruppen gegliedert worden, die jeweils ein paritätisch katholisch-lutherisches Wissenschaftlerteam bearbeiten. Mitglieder der Projektgruppe stammen aus Deutschland, Italien, Österreich, den Niederlanden und den USA.

Luthers Ablassthesen sind ursprünglich Disputationsthesen, die der Klärung von Streitfragen dienen und als Mittel der Wahrheitsfindung fungieren. Insofern sind die Thesen Luthers nicht gegen den Ablass an sich gerichtet, sondern wollen aufgrund eines seelsorglichen Anliegens das Verständnis des Ablasses schärfen und einen verbreiteten Missbrauch in der damaligen Ablasspraxis aufzeigen und beseitigen. Das dezidierte Ziel der gemeinsamen Kommentierung ist daher die genaue Bestimmung, welches Argument Luther in der jeweiligen These formuliert, gegen welche Auffassung es sich richtet, wie diese Auffassungen im Kontext der spätmittelalterlichen Diskussion verstanden wurden, ob Luther zur Klärung und Lösung der Streitfrage beiträgt und welche Reaktionen sie bei seinen Kritikern hervorgerufen hat. Eine solche differenzierte Sicht kann heute im Sinn einer ökumenischen Theologie zu einem modifizierten Urteil über die Wirkung und Bedeutung der Ablassthesen beitragen. Und in diesem Sinn versteht sich das Projekt als ökumenisch: Es geht nicht um die Erarbeitung eines ökumenischen Konsenstextes. Ökumenisch heißt die Kommentierung, weil eine paritätisch katholisch-lutherische Wissenschaftlergruppe die Bedingungen und Voraussetzungen des Ablassstreits im Kontext der spätmittelalterlichen Bußtheologie und Bußpraxis aufarbeiten möchte, um so die Ursachen der Spaltung der abendländischen Christenheit klarer aufzuzeigen und zu einer Überwindung der Spaltung beizutragen.

Das Projekt leiten Prof. Dr. Theodor Dieter (Institut für ökumenische Forschung, Strasbourg) und Prof. Dr. Wolfgang Thönissen (Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik, Paderborn); mitverantwortlich sind Christopher Dietrich (Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik, Paderborn) und P. Dr. Augustinus Sander OSB (Maria Laach).

Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik * Leostr. 19a * 33098 Paderborn * Tel.: 05251-8729-800 * Fax: 05251-280210 * E-Mail: jam[at]moehlerinstitut.de